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Die Textil- und Konfektionsbranche in Deutschland

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Deutschland ist der größte Markt für Textilien und Bekleidung in Europa und bietet vielfältige Möglichkeiten für spanische Textil- und Konfektionsunternehmen, die ihr Exportvolumen erhöhen möchten.

Die Branche hat in Deutschland eine lange Geschichte, die geprägt ist von Herstellung, Innovation und Adaption. Außerdem stellt die Textil- und Konfektionsbranche eine der wichtigsten Industrien des Landes dar. Der Markt für Textilien und Kleidung ist heute nach dem Lebensmittel- und Getränkemarkt der zweitgrößte Markt für Konsumgüter.

Die Industrie des Landes besteht größtenteils aus kleinen und mittleren Unternehmen. Jedoch hat sich die nationale Textilindustrie in den letzten Jahrzehnten, bedingt durch den Strukturwandel, fundamental verändert. Während sie früher durch Produktion mit einfacher Technologie gekennzeichnet war, so ist sie heute eine innovative High-Tech-Industrie. Dies zeigt sich unter anderem an der führenden Stellung der Textiltechnik auf dem Weltmarkt, auf dem ein Marktanteil deutscher Firmen von 45 Prozent erreicht wird.

Deutschland kommt eine bedeutende Rolle im weltweiten Handel von Textilien und Bekleidung zu. Das Land ist viertgrößter Exporteur weltweit mit einer Exportquote von 43 Prozent im Jahr 2013. Gleichzeitig ist das Land nach den USA zweitgrößter Importeur von Textilien weltweit. Dementsprechend hat sich das Land seit den 80ern zu einem attraktiven Markt für andere Exportländer von Textilien entwickelt. Vor allem in der Bekleidungsbranche importiert Deutschland einen Großteil der Ware, was eine Chance für ausländische Firmen darstellt.

Die Konfektionsindustrie in Zahlen

  • 2013 erreichen die Textilimporte in Deutschland 36,2 Milliarden Euro, die Exporte belaufen sich auf 24 Milliarden Euro
  • 2013 teilte sich der Umsatz zu 40 Prozent auf Bekleidung und zu 60 Prozent auf Textilien
  • Die Textiltechnik beanspruchte 22 Prozent des Umsatzes in der Textilindustrie und ist stark globalisiert mit einem Exportvolumen von über 60 Prozent
  • Der Großteil der importierten Bekleidung und Textilien im Jahre 2013 stammten aus Asien (51%) und der EU (30%). Die wichtigsten Handelspartner in diesem Bereich sind China, die Türkei und Bangladesch.
  • Der Internethandel hat sich zu einem beliebten Markt für Kleidung, Schuhe und Zubehör entwickelt. Gemäß einer umfangreichen Studie kaufen knapp 33 % der Kunden über E-Commerce. Dies macht die Schuh- und Bekleidungsbranche zu einer der attraktivsten Produktkategorien im Online-Handel.

Welches Potential bietet der Bekleidungsmarkt in Deutschland?

Deutschland ist der zweitgrößte Textilimporteur der Welt und hatte in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage zu verzeichnen. Mit einem Marktanteil von knapp 18 Prozent im Jahre 2013 stellt das Land den wichtigsten Markt in Europa. Im selben Jahr ist der Umsatz der Industrie allerdings um 1,1 Prozent gefallen.

Diese Zahlen zeigen deutlich das Potential für spanische Textil- und Konfektionsfirmen, die ihr Exportvolumen mit einer stärkeren Präsenz im deutschen Markt steigern wollen. Mit den richtigen Informationen über den Markt, die Vertriebskanäle und potentielle Klienten können spanische Unternehmen ihren Marktanteil auf dem deutschen Markt erfolgreich steigern.

Schlüssel für einen erfolgreichen Markteintritt in Deutschland

Um in den deutschen Textilmarkt einzusteigen, bedarf es einer gründlichen Analyse und Vorbereitung, da es einige Aspekte gibt, die beachtet werden müssen. Dazu gehören die Normierung, die Kennzeichnung, die Importvorschriften und die Industriezertifizierung.

  1. Normierung

Der DIN-Normenausschuss Textil- und Textilmaschinen (Textilnorm) ist zuständig für die Normierungsarbeit der Fachbereiche Textilien, Bekleidung und Textilmaschinen. Die verschiedenen Normen definieren die Anforderungen, Abmessungen, die technischen Begriffe sowie Prüfungsnormen. Ausländische Firmen müssen garantieren, dass ihre Produkte den deutschen Normen entsprechen.

  1. Etikettierung

Das deutsche Textilkennzeichnungsgesetz dient als Grundlage für die Kennzeichnung der Textilprodukte auf dem Markt. Alle Produkte auf dem deutschen Markt, unabhängig davon wo sie produziert wurden, müssen eine Kennzeichnung beinhalten, die angibt, aus welchem Material sie hergestellt wurden. Das Gesetz, welches sich auf alle Materialien in der Lieferkette bezieht, besagt, dass nur Textilien verkauft werden dürfen, die über die entsprechenden Kennzeichnungen verfügen. Dabei muss spezifiziert werden, aus welchen Stoffen das Produkt besteht, es müssen Hinweise zur Wäsche und zur Pflege angegeben werden und es muss die Größe nach dem metrischen System angegeben werden. Das Gesetz steht im Einklang mit der EU-Richtlinie 96/74/EG, welches eine europäisch einheitliche Kennzeichnung und Begriffsdefinitionen sichert.

Auch wenn Symbole zur Pflege in Deutschland keine Pflicht sind, so hat die internationale Vereinigung für  Pflegekennzeichnung von Textilien (GINETEX) ein Kennzeichnungssystem definiert, welches international gültige Markensymbole verwendet. Diese Symbole geben Händlern, Konsumenten und Firmen die korrektne Informationen bezüglich der Pflege der Textilprodukte.

  1. Importvorschriften

Um Produkte nach Deutschland importieren zu können, müssen Firmen ein Ursprungszeugnis nachweisen. Textilien, die aus Ländern stammen, die kein bilaterales Abkommen mit der EU haben, bedürfen einer Einfuhrgenehmigung. Die Importlizenzen können beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden.

Eine verlässliche Referenz für den korrekten Importtarif von Textilien in Deutschland und der EU ist die Zolltarifdatenbank der Europäischen Union (TARIC). Der deutsche Zoll bietet darüber hinaus online den elektronischen Zolltarif (EZT). Diese Datenbasis beinhaltet die Informationen aus TARIC plus Informationen über die jeweiligen Verbrauchssteuern in Deutschland. Des Weiteren informiert EZT über die notwendigen Importlizenzen.

Handelt es sich um potentiell gefährliche chemische Produkte, so ist die europäische Chemikalienverordnung REACH (1907/2006/EG) zu beachten. Diese besagt, dass Hersteller und Importeure von Textilien, die potentiell gefährlichen Stoffe bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) angeben müssen, inklusive aller relevanten Informationen in der Lieferkette. Das angestrebte Ziel von REACH ist die Gewährleistung von Sicherheit chemischer Produkte, inklusive Textilien. Für mehr Informationen besuchen Sie die Homepage der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA).

  1. Zertifizierung

Das meistgenutzte und –anerkannte Qualitätszertifikat in Deutschland und der EU ist der Öko-Tex Standard 100. Dieses Zertifikat, welches nicht obligatorisch ist, bietet der Textil- und Konfektionsindustrie eine einheitliche Norm für Kunden, die insbesondere darauf achten, dass die Produkte frei von schädlichen Substanzen sind. Alle Rohstoffe, Zwischen- und Endprodukte aus jeder Produktionsphase werden getestet und bei entsprechender Erfüllung der Norm zertifiziert.

Ein weitere häufig genutzte, ebenfalls freiwillige, Kennzeichnung ist das europäische Umweltzeichen. Dieses „Bio-Kennzeichen“ erhalten Produkte, die gemäß den strengen ökologischen Anforderungen hergestellt wurden und recycelt werden können. Nach erfolgreicher Zertifizierung kann das Logo für eine ganze Reihe von Produkten genutzt werden, darunter auch Textilien. Die Kennzeichnung mit internationaler Reichweite wird von einer unabhängigen nationalen Organisation verliehen.

Die Vertriebskanäle in Deutschland

Der vielversprechendste Weg, um in den deutschen Markt einzutreten, ist durch Anstellung eines Handelsvertreters. Diese arbeiten auf Kommission und sind auf ihren jeweiligen Sektor spezialisiert.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Kontakt mit Großhändlern oder Importeuren aufzunehmen. Dabei handelt es sich um Experten in Ihrem Gebiet, die eine tiefe Kenntnis über die verschiedenen Segmente in der Textilindustrie besitzen. Darüber hinaus können sie sich um viele Arbeiten rund um den Import (Dokumentation, Lagerung und Vertrieb) kümmern.

Ferner können spanische Textilhersteller ihre Produkte an zentrale Einkaufsorganisationen in Deutschland verkaufen. Diese Organisationen bestehen hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen, die sich zusammengeschlossen haben, um durch größere Mengen ihre Kaufkraft zu erhöhen und damit wettbewerbsfähiger zu sein.

Ebenfalls eine vielversprechende Option stellen Versandkataloge dar. Diese Form des Einkaufs ist bei den Verbrauchern sehr beliebt. Dieses Angebot wird heutzutage ergänzt durch den Online-Handel, der in der Textil-, Kleidungs- und Schuhbranche viel genutzt wird.

Für weitere Informationen darüber, wie spanische Textil- und Bekleidungshersteller in den deutschen Markt eintreteten können, kontaktieren Sie gerne:

Júlia Farré
Senior Consultant bei International Team Consulting
jfarre@int-team.com